Seit wann wird geklettert?

Entwicklungsgeschichtlich wird wohl schon länger geklettert, als auf zwei Beinen gegangen. Der aktuelle Stand der Wissenschaft ist, dass unsere Vorfahren ihren Lebensraum auf den Bäumen hatten. Erst später wurde der Boden, der aufrechte Gang und der Vorteil der dadurch frei werdenden Hände (für andere Tätigkeiten z. B. Herstellung und Gebrauch von Werkzeugen) von unseren Vorfahren entdeckt.

Definition

Es gibt in der einschlägigen Literatur viele verschiedene Definitionen zu dem Begriff „klettern“. Diese sind alle sehr spezifisch, treffen jedoch meiner Meinung nach nicht den ursächlichen Unterschied zwischen Gehen und Klettern. Denn wo hört Gehen auf und wann fängt Klettern an? Hier ein Erklärungsversuch von mir:

Gehen (und alle Ableger wie Wandern, Joggen etc.) ist eine natürliche Fortbewegungsart, bei der der Vortrieb durch die unteren Extremitäten (Beine und Füße) kommt. Dabei berühren auch nur die Füße den Untergrund.

Auf der Ebene ist das kein Problem. Wird der Weg steiler, wird aber auch das gehen immer schwieriger.

Ab einem bestimmten Punkt müssen die Hände mit hinzugenommen werden, um nicht den Halt zu verlieren und sich weiter fortbewegen zu können. Hier beginnt für meine Begriffe das Klettern.
Klettern ist demnach ebenfalls eine natürliche Fortbewegungsart, bei der im Gegensatz zum Gehen auch die oberen Extremitäten (Arme und Hände) zur Fortbewegung mit zur Hilfe genommen werden.

Klettern als Sport

Wurde Klettern anfangs aus praktischen Erwägungen heraus genutzt (z. B. das erklettern eines Baumes oder eines Felsens zur Ausschau nach Beute oder Fressfeinden) hat sich das Klettern im Laufe der Zeit zu einer Sportart mit diversen Varianten entwickelt. Heute werden zahlreiche Klettervarianten beschrieben.

Alpinklettern

Wird in den Bergen allein oder in einer Seilschaft ausgeführt. Hier können auch viele technische Ausrüstungsgegenstände (technisches Klettern) zum Einsatz kommen.

Technisches Klettern

Beim technischen Klettern wird eine Vielzahl von Hilfsmitteln (Steigklemmen, Leitern, etc.) zur Fortbewegung genutzt. Das technische Klettern wir heute nur noch vereinzelt angewendet.

Freiklettern (Freeclimbing)

Freiklettern beschreibt das Klettern ohne Hilfsmittel zur Fortbewegung. Zum Klettern dürfen nur der Untergrund und der eigene Körper genutzt werden.

Die technischen Hilfsmittel (Seil, Hüftgurt, Sicherungsgerät wie Tube, etc.) dienen lediglich zur Absicherung bei einem Absturz. Freiklettern kann in freier Natur (Fels) und in der Halle durchgeführt werden.

Freiklettern in der Natur im sogenannten Vorstieg.

Foto: © Andrey Bandurenko | fotolia.de

In freier Natur sind die Kletterrouten in der Regel mit Haken im Felsen präpariert, mit deren Hilfe sich der Kletterer sichern kann.

In Kletterhallen werden an sogenannten Kunstwänden Klettergriffe für Hände und Füße zu sogenannten Routen angeschraubt. Dies erlaubt eine sehr kontrollierte Abstufung von Schwierigkeitsgraden der einzelnen Kletterrouten, welche auch für Einsteiger noch gut erkletterbar sind. Dadurch erschließt sich das Hallenklettern einem breiteren Publikum. Zudem ist das Klettern in der Halle nicht von den Wetterbedingungen abhängig.

Moderne und helle Kletterhalle mit Vorstieg Bereich und Toprope Bereich.

Foto The lead and toprope area von Peter Stevens lizensiert unter CC BY 2.0.

Gesichert wird entweder mit Top-Rope oder mit Hilfe eines Seils, in welches der Kletterer sich einbindet und dieses dann beim Klettern in schon vorhandene Haken an der Wand einhängt (Vorstieg).

Bouldern

Bouldern ist kurz gesagt das Klettern in Absprunghöhe und kann ebenso wie das Freiklettern in freier Natur oder in der Kletterhalle betrieben werden.[/vc_column_text][vc_column_text]Hierbei wird ganz auf technische Hilfsmittel zur Fortbewegung und zur Absicherung bei einem Sturz verzichtet. Lediglich Matten zur Dämpfung eines Sturzes (Crashpads) finden Verwendung. Aufgrund der dadurch naturgemäß nur wenige Kletterzüge langen Routen werden diverse Schwerpunkte (z. B. Bewegungsablauf, Fingerkraft, dynamischer Zug, etc.) gesetzt.

Buildering

Buildering entwickelte sich aus dem Bouldern und beschreibt das (meist illegale) Klettern an Gebäuden. Legales Buildering findet an zu Kletteranlagen umfunktionierten Gebäuden statt.

Free Solo

Beim Free Solo wird wie beim Bouldern auf alle Formen von technischen Hilfsmitteln zur Fortbewegung und zur Absicherung bei einem Sturz verzichtet. Im Unterschied zum Bouldern wird dabei auch in großen Höhen geklettert. Ein Fehler, welcher zum Absturz führt, kann dadurch tödlich enden.
Beim Deep-Water-Soloing (DWS) wird zumindest über tiefem Wasser geklettert, welches einen Sturz auffängt.

Sicherungstechniken beim Begehen von Kletterrouten

Top-Rope

Bild:  © Oliver Weber  | fotolia.de


Beim Top-Rope-Klettern verläuft das Sicherungsseil über eine Umlenkung am oberen Ende der Route, so das immer zwei freie Seilenden zum Boden reichen.

Mit einem Seilende bindet sich der Kletterer in seinen Klettergurt ein. Das andere Seilende befestigt der Sichernde über ein Sicherungsgerät an seinem Klettergurt.

Der Kletterer und der Sichernde sind nun über eine Umlenkung über das Seil verbunden, wobei dieses von oben kommt.

Daher auch der Begriff Top-Rope (top = englisch für oben).

Top-Rope wird häufig in Kletterhallen angewendet und ist besonders für Anfänger geeignet.

Vorstieg

Vorstieg - Die populärste Sicherungstechnik beim Freiklettern am Naturfelsen.

Bild:  © Oliver Weber  | fotolia.de


Das Klettern im Vorstieg ist weitaus anspruchsvoller und eignet sich hauptsächlich für das Klettern am Naturfels und/oder in Überhängen.

Der Kletterer bindet sich das Sicherungsseil noch am Boden stehend mit einem Knoten (z. B. Achterknoten) an seinem Hüftgurt fest.

Der Sichernde befestigt das freie Ende des Seils mittels eines Sicherungsgerätes (z. B. Tube) an seinen Hüftgurt.

Der Kletterer und der Sichernde sind nun direkt über das Seil verbunden.

Der Sichernde gibt dem Kletternden nach und nach Seil aus, damit dieser das Seil in regelmäßig vorhandene Zwischensicherungen (Ringe, Karabiner) einhängen kann.

Nachstieg

Der Nachstieg kommt bei Mehrseillängenrouten mit mehreren Kletterern zum Einsatz.

Bild:  © Oliver Weber  | fotolia.de


Der Nachstieg kommt bei Mehrseillängenrouten mit mehreren Kletterern zum Einsatz.

Hierbei steigt der erste Kletterer vor (= Vorstieg).

Hat der erste Kletterer einen zum sichern geeigneten Standplatz erreicht, steigt der zweite Kletterer nach (= Nachstieg).

Hierbei kommt das Sicherungsseil wie beim Top-Rope Klettern von oben.

Der zweite Kletterer löst beim Aufstieg nach und nach das Seil aus den Zwischensicherungen.

Schwierigkeitsgrade Freiklettern

Leider gibt es keine einheitliche Einteilung der Schwierigkeitsgrade beim Freiklettern. Fast jedes Land hat seine eigene Einteilung.

Das nachstehende Bild beinhaltet neben der Aufteilung nach UIAA (= Union Internationale des Associations d’Alpinisme) eine tabellarische Übersicht der Schwierigkeitsgrade im Freiklettern folgender Länder: USA, Frankreich, Österreich, Großbritannien und Deutschland.

Eine tabellarische Übersicht der Schwierigkeitsgrade im Freiklettern der verschiedenen Länder.

Eine tabellarische Übersicht der Schwierigkeitsgrade im Freiklettern der verschiedenen Länder.

Beim Bouldern haben sich wiederum 2 andere Einteilungen aus Frankreich und den USA eingebürgert:

Bouldergrade Tabelle 1
F Fb1-2 Fb 3 Fb 4a Fb 4b Fb 4c Fb 5a Fb 5b
USA VB- VB V0- V0 V1 V2 V3
Bouldergrade Tabelle 2
F Fb 5c Fb 6a Fb 6a+ Fb 6b Fb 6b+ Fb 6c Fb 6c+
USA V4 V5 V6 V7 V8 V9 V10
Bouldergrade Tabelle 3
F Fb 7a Fb 7a+ Fb 7b Fb 7b+ Fb 7c Fb 7c+ Fb 8a
USA V11 V12 V13 V14 V15 V16

Für Android Smartphones gibt es zudem eine App mit dem Namen Klettern Converter. Folgende Regionen werden umgerechnet: YDS (USA) – British – Französisch – UIAA – Saxon – Ewbank – Finnisch – Norwegisch – Brasilianische – Kurtyki (Polen) – Verm – Fountainbleau.

Klettertechniken

Es gibt gefühlt unendlich viele Videos zu Klettertechniken. Hier habe ich exemplarisch 2 der besseren Videos für euch rausgesucht:

Die folgenden Videos sind eingebettete Videos. Erst beim abspielen eines Videos werden Daten an den Anbieter gesendet. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung.

Vor dem starten der Videos kannst die Einbettung mit dem Button komplett deaktivieren. Das Video startet dann in einem neuen Browserfenster direkt auf der Webseite des Anbieters.

Frontalklettern

Wie der Name schon sagt, der Körper ist frontal an der Wand. In der 3-1 Technik behalten 3 Extremitäten ihren Griff/Tritt, während eine Extremität einen neuen Griff/Tritt aufsucht.

Eindrehen

Hier dreht der Körper mit einer Seite zur Wand. Wir häufig verwendet um einen Griff zu erreichen, welcher mit Frontalklettern nicht so leicht erreichbar ist.

Mir persönlich gefällt der Blog von Guido Köstermeier sehr gut. Tonnenweise Infos zum Thema klettern!

Dieser Beitrag wurde zuletzt am 17. Jun 2018 @ 10:41 überarbeitet.

Beitrag teilen

Liebe/r Leser/in
Aufbau und Pflege dieser privaten Webseite haben mich viel Zeit gekostet.
Alle Inhalte und Downloads sind für dich kostenlos, ohne Werbung zugänglich.
Bitte hinterlasse mir - als kleines Dankeschön - einen Kommentar am Ende des Beitrags.
2 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.