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Francesco Conconi (* 19. April 1935), ist ein italienischer Sportwissenschaftler und Biochemiker und früherer Amateur-Radrennfahrer. Er entwickelte Anfang der 80er Jahre den gleichnamigen Test zur Ermittlung der anaeroben Schwelle (ANS). Ein Grund dafür war, den Rad-Sportlern eine einfache Alternative zum Blutlaktattest zu bieten.

Der Conconi-Test kommt ohne Blutabnahme und aufwendige Atemgasmessung aus, da er die aerobe Leistungsfähigkeit anhand des Verhaltens der Herzfrequenz bei steigender Belastung abschätzt. Grundlage des Tests ist die Annahme, dass die Herzfrequenz im aeroben Bereich linear zur Belastung ansteigt.

Die anaerobe Schwelle ist an dem Punkt erreicht, an dem die lineare Beziehung zwischen Herzfrequenz und Belastung in eine flachere Kurve übergeht. Die Kurve also – bildlich gesprochen – einen Knick nach unten nimmt. Dieser Knickpunkt wird als Deflexionspunkt bezeichnet.

Der Conconi-Test ist mit relativ einfachen Mitteln durchführbar. Allerdings sind die Test-Ergebnisse so individuell, das sie nicht allgemein geltend gemacht werden können wie z.B. die Bewertungstabellen bei einem PWC-Test.

Das Ablesen des Deflexionspunktes ist meist sehr ungenau. Dazu braucht es einen erfahrenen Tester.[/vc_column_text][vc_column_text]Für eine gründliche Leistungsdiagnostik stehen heute zeitgemäße Leistungstests wie der Laktatstufentest und die Spiroergometrie zur Verfügung. Diese sind im Testaufbau und -Ablauf dem Conconi-Test sehr ähnlich, liefern jedoch ungleich verlässlichere und allgemeingültige Werte.

Die Leistungsdiagnostik bildet nur einen Rahmen der Trainierbarkeit. Eine individuelle Trainingsplanerstellung unter Beachtung der jeweiligen Konstitution und Kondition des Sportlers / der Sportlerin sind mit entscheidend für ein langfristiges und erfolgreiches Training.

Vorteile eines Conconi-Test

  • Wenig Equipment nötig.
  • Blutabnahme entfällt.
  • Atemgasanalyse entfällt.
  • Einfach durchführbar.

Nachteile eines Conconi-Test

  • Hohe Fehleranfälligkeit.
  • Tester braucht viel Erfahrung.
  • Anaerobe Schwelle wird nur geschätzt.
  • Sonst keine weitere Auswertung.

Durchführung und Auswertung des Conconi-Test

Conconi entwickelte den Test damals für Radsportler. Daher wurde der Test auch grundsätzlich auf dem Rad durchgeführt. Allerdings wird der Conconi-Test heute auch im Laufsport angewendet.

Die 2 Varianten des Conconi-Test

Exemplarisch dargestellt anhand eines Tests auf einem Fahrradergometer. Die Auswahl der – je nach Testvariante – in Frage kommenden Testparameter (Belastung zu Beginn des Tests, Dauer der Belastungsstufen, Belastungserhöhung pro Stufe) sind abhängig von der jeweiligen individuellen Leistungsfähigkeit der Testperson.

Conconi-Test Variante 1
  • Basiert auf einer gleichmäßigen, stufenweise Erhöhung der Belastung und Belastungsdauer pro Stufe.
  • Die Belastung ist zu Beginn moderat (z.B. 50 Watt) und wird mit jeder Stufe um einen festen Wert erhöht (z.B. um 25 Watt).
  • Die einmal gewählte Belastungsdauer (z.B. 2 Minuten) bleibt für alle Stufen über den gesamten Test gleich.

Grafische Darstellung eines Conconi-Tests der Variante 1. © Bernd Stumpp | lizensiert unter CC BY-SA 4.0

Conconi-Test Variante 2
  • Basiert auf einer gleichbleibenden Leistung in jeder Belastungstufe.
  • Die Belastungsdauer pro Stufe verkürzt sich dadurch mit steigender Belastung.
  • Zu Beginn wird der Test wie in der ersten Variante mit z.B. 50 Watt für 2 Minuten gestartet.
  • Die daraus errechnete geleistete Arbeit (50 Watt x 120 Sekunden) beträgt 6000 WS.
  • Aus diesem Wertepaar wird nun eine „Marschtabelle“ erstellt.
LEISTUNG (WATT) ZEIT (MIN:SEK) ARBEIT (WS)
 50  02:00  6.000
 75  01:20  6.000
 100  01:00  6.000
 125  00:48  6.000
 150  00:40  6.000
 175  00:35  6.125
 200  00:30  6.000
 225  00:27  6.075
 250  00:24  6.000
 275  00:22  6.050

In beiden Fällen wird am Ende jeder Belastungsstufe die aktuelle Herzfrequenz notiert. Erst wenn der Proband seine Leistung nicht mehr erhöhen kann, wird der Test beendet = Abbruch durch Erschöpfung/Ausbelastung.

Folgende Punkte müssen dann erfüllt sein:

  • 8 Messpunkte im linearen, (angenommenen) aeroben Bereich
  • Mindestens 3 Punkte über der anaeroben Schwelle, also dort, wo die Kurve bildlich gesprochen einen Knick nach unten macht.
  • Steigerung der Herzfrequenz von mindestens 8 Schlägen pro Stufe

Die bis dahin gemessenen Wertepaare aus Herzfrequenz und Geschwindigkeit werden in ein Diagramm eingetragen und ausgewertet.

Der daraus ermittelte Deflektionspunkt ist dann die Grundlage für das darauf folgende Ausdauer-Trainingsprogramm.

Dieser Beitrag wurde zuletzt am 7. Jun 2018 @ 22:29 überarbeitet.

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