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Der Begriff Ausdauer wird oft mit Kondition gleichgesetzt, ist aber nur ein Teil davon. Unter dem Begriff Kondition wird ein Teil der 5 motorischen Grundfähigkeiten des Menschen zusammengefasst. Hier ein Überblick der Einteilung der 5 motorischen Grundfähigkeiten des Menschen, wie ich es gelernt habe und wie sie auch offiziell unter der Seite Spomedial des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln und ihren renommierten Verbundpartnern nachzulesen ist.

Die Verteilung dieser Fähigkeiten ist individuell und sehr unterschiedlich verteilt. So ist es auch zu erklären, dass es Talente in den verschiedensten Sportarten gibt. Die folgenden Grafiken geben dir einen ersten Eindruck dazu.

Eine vorteilhafte Verteilung der 5 motorischen Grundfähigkeiten bei einem Kraftsportler könnte so aussehen.

Eine Vorteilhafte Verteilung der 5 motorischen Grundfähigkeiten bei einem Ausdauersportler könnte so aussehen.

Differenzierung der 5 motorischen Grundfähigkeiten in konditionelle und koordinative Fähigkeiten

Hohmann et al. (2003) stellen in ihrem Modell heraus, dass bei den motorischen Grundeigenschaften Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit Wechselbezüge zwischen koordinativen und konditionellen Fähigkeiten bestehen, sodass bei deren Zuordnung Grauzonen, im Sinne von Übergangsbereichen, entstehen. Die Kraft, Schnelligkeit sowie die Beweglichkeit können weder den rein konditionellen, noch den rein koordinativen Fähigkeiten zugeschrieben werden (Hohmann et al., 2003).

Systematik der Kondition und Koordination unter besonderer Berücksichtigung der Wechselbezüge bei der Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit (Hohmann et al. 2003, S.50)

Systematik der Kondition und Koordination unter besonderer Berücksichtigung der Wechselbezüge bei der Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit (Hohmann et al. 2003, S.50)

Die 5 motorischen Grundfähigkeiten im Detail

 Kraft

Power Snatch

Foto: „Power Snatch“ von WODshop Inc lizensiert unter CC BY 2.0.

Kraft im Sport ist die Fähigkeit des Nerv-Muskel-Systems, durch Innervations- und Stoffwechselprozesse mit Muskelkontraktionen Widerstände zu überwinden (konzentrische Arbeit), ihnen entgegenzuwirken (exzentrische Arbeit) oder sie zu halten (statische Arbeit).

Die 5 Erscheinungformen der Kraft

Maximalkraft

Hier wird zwischen statischer und dynamischer Maximalkraft unterschieden. Die statische Maximalkraft ist die größtmögliche Kraft, die willkürlich gegen einen unüberwindlichen Widerstand ausgeübt werden kann. Die dynamische Maximalkraft ist die größtmögliche Kraft, bei der eine willkürliche, definierte Bewegung nur einmal durchführbar ist.

Schnellkraft

Ist die Fähigkeit, optimal schnell Kraft für einen sogenannten „Kraftstoß“ zu bilden. Es gibt drei Arten der Schnellkraft, welche sich in ihren Zielen voneinander unterscheiden:

  • Einem Gegenstand eine hohe Endgeschwindigkeit geben. Dies ist auch ein Teil der Explosivkraft, z.B. beim Speerwurf.
  • Eine Bewegung in möglichst kurzer Zeit ausführen. Dies ist ein Teil der Reaktivkraft, z.B. der Start beim 100m Sprint.
  • Eine Schlag-/Stoßbewegung in möglichst kurzer Zeit ausführen, z. B. beim Kampfsport.

Kraftausdauer

Ist die Widerstandsfähigkeit gegen Ermüdung bei statischen und dynamischen Krafteinsätzen (mit mehr als 30 % der Maximalkraft).

Reaktivkraft

Die Reaktivkraft bezeichnet den Kraftausstoß, welcher in einem möglichst kurzen Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus des Muskels unmittelbar nach einer Bremsbewegung realisierbar ist.

Explosivkraft

Ist die Fähigkeit, zu Beginn einer Belastung einen höchstmöglichen Kraftanstieg zu erzeugen. Im Gegensatz zur Schnellkraft, welche den Kraftstoß beschreibt.

 

Eine sehr informative Seite mit weitergehenden Informationen findest du hier: Prof. em. Dr. phil. Klaus Wiemann, Biomechanik und Bewegungslehre des Sports

Ausdauer

Joggen ist eine gute Möglichkeit zur Verbesserung der Langzeitausdauer.

Foto: „Jogger“ von Ed Dunens lizensiert unter CC BY 2.0.

Ausdauer ist die physische und psychische Widerstandsfähigkeit des Organismus gegen Ermüdung bei lang andauernden Belastungen sowie die schnelle Wiederherstellungsfähigkeit nach einer Belastung.

Die Erscheinungsformen der Ausdauer

Die Trainingslehre unterscheidet die folgenden 6 Ausdauerarten voneinander.

Art Dauer
Kurzzeit 35 – 120 Sek.
Mittelzeit 2 – 10 min.
Langzeit 1 10 – 35 min.
Langzeit 2 35 – 90 min.
Langzeit 3 90 min. – 6 Std.
Langzeit 4 Über 6 Std.

Für den (ambitionierten) Hobbysport hat sich folgende vereinfachte Einteilung eingebürgert.

Art Dauer
Kurzzeit Bis 2 min.
Mittelzeit Bis 30 min.
Langzeit Über 30 min.

Eine weitere Unterscheidung ist die lokale Ausdauer und allgemeine Ausdauer. Von einer lokalen Ausdauer wird gesprochen, wenn höchstens 14 % der Skelett-Muskulatur bei einer sportlichen Aktivität aktiv sind. Die Belastung des Herz-Kreislaufsystems ist dabei nur moderat. Darüber hinaus wird von einer allgemeinen Ausdauer gesprochen.

Schnelligkeit

Sprint

Foto: „Bislett Games 2012“ von Aktiv I Oslo.no, lizensiert unter CC BY-NC-ND 2.0.

Schnelligkeit ist die Fähigkeit auf einen Reiz in kürzester Zeit zu reagieren und/oder Bewegungen mit höchster Geschwindigkeit bei geringen Widerständen durchzuführen.

Die drei Arten der Schnelligkeit mit Beispielen in welchen Sportarten diese besonders benötigt werden.

Art Beispiel
Reaktionsschnelligkeit Boxen, Tischtennis
 Beschleunigungsfähigkeit  Sprint, Handball
 Bewegungsschnelligkeit  Basketball, Volleyball

 

Beweglichkeit

Yoga

Foto: „Mandy Yoga Flexible“ von Sean Rainer, lizensiert unter CC BY-NC 2.0.

Beweglichkeit ist die Fähigkeit unseres Muskel-Gelenk-Systems, Bewegungen mit einem großen Bewegungsausmaß (Amplitude) durchführen zu können. Siehe hierzu auch meinen Beitrag Dehnübungen.

Arten und Unterscheidungsmerkmale der Beweglichkeit.

Gelenkigkeit

Ist abhängig vom anatomischen Aufbau der knöchernen Gelenkpartner und des dazu gehörenden Kapsel- / Bandapparates.

Dehnfähigkeit

Ist abhängig von der Elastizität von Muskeln und Sehnen.

Aktive Beweglichkeit

Umfasst das größtmögliche Bewegungsausmaß, welches durch (eine eigene) Muskelkontraktion erreicht werden kann.

Passive Beweglichkeit

Umfasst das größtmögliche Bewegungsausmaß, welches durch die Einwirkung äußerer Kräfte (z. B. Partner, Gewichte) erreicht werden kann.

 

Weitere Faktoren, welche Einfluss auf die Beweglichkeit haben sind Alter, Geschlecht, Temperatur, Tageszeit, Hormone, Psyche, etc.

Koordination

Bild: © kasto | fotolia.de

Koordination bezeichnet das Zusammenwirken von Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark) und Skelettmuskulatur innerhalb eines gezielten Bewegungsablaufes. Als koordinative Fähigkeiten werden Eigenschaften bezeichnet, die die sportliche Leistung bestimmen und sich auf die Steuerung und Regelung (und damit auf die Qualität) von Bewegungen beziehen.

Die 7 koordinativen Fähigkeiten

Differenzierungsfähigkeit

Bewegungsabläufe mit hoher Genauigkeit vollziehen.

Beispiel: Einen hart oder weich zugespielten Ball fangen, auf dem Minitrampolin abfedern, schreiben, usw.

Kopplungsfähigkeit

Teilkörperbewegungen bzgl. eines bestimmten Handlungsziels räumlich, zeitlich und dynamisch aufeinander abstimmen.

Beispiel: Technik Schwimmen, Aerobic

Reaktionsfähigkeit

Zum zweckmäßigsten Zeitpunkt mit einer aufgabenbezogenen Geschwindigkeit auf ein Signal zu reagieren.

Beispiel: Torwart, Tischtennis, Boxen, etc.

Orientierungsfähigkeit

Bestimmung und zielangepassten Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers in Raum und Zeit.

Beispiel: Turmspringen, Kunstturner.

Gleichgewichtsfähigkeit

Gleichgewichtszustand des gesamten Körpers während und nach umfangreichen Körperverlagerungen beizubehalten oder wiederherzustellen.

Beispiel: Seiltänzer/Slackline, Schwebebalken

Anpassungs-/Umstellungsfähigkeit

Während des Handlungsvollzugs das Handlungsprogramm veränderten Umgebungsbedingungen anzupassen, oder evtl. ein völlig neues und adäquates Handlungsprogramm zu starten.

Beispiel: Ski alpin, MTB Downhill

Rhythmisierungsfähigkeit

Einen von außen vorgegebenen Rhythmus erfassen und motorisch umsetzen. Außerdem die Fähigkeit einen verinnerlichten Rhythmus einer Bewegung in der eigenen Bewegungstätigkeit zu realisieren.

Beispiel: Tanzen

Quellenangaben

Seite 14ff der Diplomarbeit von Julian Bergmann an der Universität Potsdam 2008

Dieser Beitrag wurde zuletzt am 13. Jun 2018 @ 8:04 überarbeitet.

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